[Korea News] Kontroverse um den traditionellen Fischmarkt in Seoul

Immer Donnerstags wird im Rahmen unserer „Korea News“ ein interessanter und aktueller Nachrchitenbeitrag aus einer der großen in Englisch publizierten Koreanischen Zeitungen besprochen.

Diesmal liegt das Augenmerk auf einem Artikel aus dem „Korea Herald“ mit dem Titel „Fishmongers refuse to move out of old market despite power, water cuts“.  (Fischhändler weigern sich den alten Markt zu verlassen, trotz Drosselung von Strom- und Wasser.)

Offensichtlich gibt es also eine Kontroverse rund um den Noryangjin Fischmarkt (노량진 수산시장) in Seoul.

Gehen wir der Sache auf die Spur und starten mit einem kleinen Abriss der Geschichte des Marktes: 1927 gründete sich der Markt und lag damals noch nahe der Seoul Station, relativ zentral in der Stadt. 1971 siedelte er sich dann an seiner aktuellen Position nahe der Noryangjin-Station südlicher in Seoul an.

Seither werden dort jeden Tag, rund um die Uhr, jeden Tag des Jahres (wörtlich!) an unzähligen Ständen saisonale Fische, ebenso wie die Dauerbrenner Thunfisch, Flunder, Lachs und Krabben verkauft. Insgesamt sind dort 800 Sorten Fisch und Meeresfrüchte erhältlich. Der Markt entwickelte sich zu einer beliebten Einkaufsort für Einheimische und einem spannenden Ausflugsziel für Touristen.

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Der alte Fischmarkt

Doch die 45 Jahre alte Halle mit ihren Industriedeckenleuchten, der abblätternden Wandfarbe und den für deutsche Augen wackelig angebrachten Klimaanlagen schien der „National Federation of Fisheries Cooperatives“ (Nationale Fischereigenossenschaft bekannt als “ Suhyup“) nicht mehr zeitgemäß. Sicherheitsmängel aufgrund der Baufälligkeit werden als Hauptgrund für einen notwendigen Umzug angegeben.

So begann der Bau einer neuen Markthalle auf einem direkt angrenzenden Gelände. 2016 liefen die Mietverträge für Verkaufsstände in der traditionellen Halle aus.

Seither weigern sich knapp 40 Prozent (256 von 659) der Standbesitzer umzuziehen. Als Gründe werden unter anderem angeführt: eine erhöhte Miete bei generell weniger Platz pro Verkaufsstand, der Verlust der alten Tradition, schlechtere Zugangswege für die Anlieferung und Platzmangel im Neubau.

Allerdings gibt es ein rechtskräftiges Urteil, welches die Zwangsräumung der alten Markthalle anordnet. Als die Stände trotz dieses Urteils nicht weichen wollten entschloss die Suhyup sich ihre Maßnahmen zu eskalieren und drosselte die Wasser- und Stromversorgung. Daraufhin griffen die Standbetreiber zu Generatoren, um das Licht und die Sauerstoffzufuhr für die Fische zu sichern.

In ihrem Kampf gegen Suhyup werden die Fischhändler vom Bündnis der Straßenverkäufer und der linken Minjung-Partei unterstützt.

Auch nach über 60 Gesprächen beider Streit-Parteien gibt es bisher keine Übereinkunft über einen Umzug oder einen Kompromiss in absehbarer Zukunft.

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Die neue Markthalle

 

Warum ist dieser Artikel so interessant?

Vor zwei Wochen liefen unsere zwei Betreuenden des diesjährigen Building Bridges Austausches erst durch die alte und dann die neue Markthalle, um sich schließlich sehr leckeren Fisch zum Abendbrot zu kaufen. Dabei wunderten sie sich noch warum es zwei nicht voll belegte Gebäude direkt nebeneinander gibt und vor allem warum in der alten Markthalle an einigen Stellen Generatoren Licht und Sauerstoff sicherten.

Nun, jetzt wissen sie Bescheid und ihr auch.

 

 

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