[Bericht einer Alumna] – Wie alles begann

Mit 13 Jahren begab ich mich auf das große Abenteuer Building Bridges. Damals noch ohne W-Lan fähige Smartphones trat ich die wohl folgenreichste Reise meines jungen Lebens an, ganz ohne es zu wissen. (Nachher ist man eben immer schlauer.)

Jetzt, zehn Jahre später, begegnen mir oft Situationen in denen ich an den Herbst 2008 in Südkorea erinnert werde. Im Rahmen dieser Blogserie möchte ich euch an diesen Momenten teilhaben lassen. Und wie es sich für einen Anfang gehört wird hier meine erste prägnante Situation vor Ort geschildert: 

Hinter mir lagen 15 Stunden Reise mit drei Freunden; ein Aufenthalt im Bereich für unbegleitete Minderjährige im Amsterdamer Flughafen und die Aufregung allein die Einreisekontrolle in Seoul meistern zu müssen. 

Begrüßt von aufgeschlossenen koreanischen Jugendlichen fuhren wir ins MIZY-Center, einer Art Kongresszentrum für Arbeit mit Jugendlichen, und sahen dort selbstgebastelte Willkommensposter and den Wänden kleben. Für jeden von uns vier Deutschen eines. Es war rührend, aber nach der Anreise auch Kräfte zehrend. Lächeln, Hände schütteln, die ersten Unterhaltungen nur auf Englisch. Zum ersten Mal Essen mit Stäbchen.

Und dann der Schock: Wir wurden auf eine Bühne gestellt und sollten uns der versammelten Gruppe aus Lehrenden, Betreuenden und Teilnehmenden vorstellen.

Damals war genau das meine absolute Albtraumsituation. Mein Englisch hing bei mittel-gut fest und außerdem wollte mein 13-jähriges Ich sich auf gar keinen Fall direkt am ersten Tag blamieren. 

Nun stand ich da, mir wurde das Mikro in die Hand gedrückt und noch während ich sprach hörte ich die Stimme meines damaligen Englischlehrers, die mir all meine grammatikalischen Fehler vorhielt.

Es war eine grauselige Situation. Und doch der Beginn eines wunderbaren Austausches. Wie sich herausstellte überlebten ich und mein Image diese ewigen 45 Sekunden. Es folgten die schlaflosesten 10 Tage meines Lebens und bei der Abschlusspräsentation quälte mich auch keine Englischlehrerstimme mehr. 

Nun zur Gegenwart: Vor drei Wochen durfte ich eine medizinische Fachgesellschaft, die mir für die Forschung zu meiner Doktorarbeit ein Stipendium gewährt, bei einem Kongress vertreten. Was für eine Aufgabe! 

Ich saß also auf einem Barhocker und verteilte fleißig Flyer an alle Interessierten, ich erklärte meine persönliche Forschungsarbeit und die Schwerpunkte der Gesellschaft. In der Mittagspause wurde ich plötzlich von der Erinnerung an meinen Auftritt im MIZY-Center überrascht.

Was für ein gewaltiger Unterschied: Ich damals mit schlotternden Knien und ich heute über einen Kongress springend und ununterbrochen erzählend. Mit einer Selbstsicherheit, die mich nicht verlässt, selbst wenn ich mich dann doch mal selbstbewusst in ein Fettnäpfen setze.

Es sei der damaligen positive Reaktion der koreanischen und deutschen Jugendlichen auf meine Vorstellung gedankt und all den folgenden tollen Jahren. Doch dazu später mehr.

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